Anthropine
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Gustav Jaeger - mein Ur-Ur-Großvater - Ein Genie

 

 

Mein Lebenslauf

 

Entnommen den 1887 herausgegebenen Flugschriften. 

Selma Gienger

 

 

 

Extrabeilage zu Prof. Dr. G. Jaegers Monatsblatt Nr. 8, 1884

 

Auf vielseitige Anforderungen von Seiten Wollener und von Zeitungsredaktionen gebe ich im Folgenden eine kurze Darstellung meines Lebensgangs und meiner bisherigen Tätigkeit. Ich habe diese nicht nur dem Monatsblatt beigefügt, sondern auch eine größere Anzahl weiterer  Abdrücke fertigen lassen, die ich den Lesern gratis zur Verfügung stelle, um den böswilligen Äußerungen der Gegner über meine Person entgegentreten zu können. Um denen, welche ganzen oder teilweisen Wiederabdruck vornehmen wollen, dies zu erleichtern, spreche ich von mir in der dritten Person.

 

Dr. Gustav Jaeger ist geboren zu Bürg im Württembergischen am 23. Juni 1832 als Sohn eines evangelischen Geistlichen, der sich auch als Geschichtsschreiber einen Namen machte, und in dessen Familie Ärzte, Gelehrte und Geistliche abwechseln. Er durchlief die Lateinschule und das niedere evangelische Seminar, da er zum geistlichen Beruf bestimmt war. Nach Beendigung der Seminarlaufbahn änderte er seine Berufswahl, studierte zunächst 1 Jahr als Hospitant des Polytechnikums zu Stuttgart neuere Sprachen und höhere Mathematik, und arbeitete als Volontär am Stuttgarter zoologischen Museum.

 

Im Jahr 1851 bezog er die Universität Tübingen und absolvierte dort das Studium der Medizin und Chirurgie, erwarb sich dort auch das Doktordiplom in seinem Fach. Da sein Ziel akademische Lehrtätigkeit war und zwar im Fach der Zoologie und vergleichenden Anatomie, so ging er 1856 nach Wien, veröffentlichte zunächst mehrere Spezialarbeiten in den Berichten der Wiener Akademie, habilitierte sich dann als Privatdozent, und war gleichzeitig Hofmeister im Hause eines Fabrikanten chemischer Produkte.

 

Da er seine Konfession nicht ändern wollte, so war er verhindert den ihm von der philosophischen Fakultät angetragenen Lehrstuhl für Zoologie und vergleichende Anatomie an der Wiener Universität anzunehmen, und so wandte er sich der naturwissenschaftlichen Praxis zu, indem er zuerst in Verbindung mit einem Kapitalisten ein Seewasseraquarium, später als technischer Direktor einer Aktiengesellschaft einen Tiergarten anlegte. Als dieses Unternehmen, zum großen Teil in Folge der politischen Wirren von 1864-66, fallirte, kehrte er im Frühjahr 1866 in seine Heimat nach Stuttgart zurück, wo er ein Jahr lang mit der Abfassung populär-naturwissenschaftlicher Werke und naturwissenschaftlicher Feuilletons, sowie wissenschaftlichen Arbeiten sich befasste. Im Jahr 1867 erhielt er zuerst einen Lehrauftrag als Hilfslehrer, zuerst für Zoologie an der land- und forstwirtschaftlichen Akademie zu Hohenheim, dem später ein gleichlautender am Kgl. Polytechnikum zu Stuttgart folgte. Diese Lehraufträge wurden später in Hohenheim auf die Abhaltung des mikroskopischen Praktikums, Vortrag über Seidenbau und die Leitung des technischen Betriebes der Seidenzucht, und im Polytechnikum durch einen Lehrauftrag für Anthropologie inclusive Gesundheitspflege erweitert, und er zum Hauptlehrer an der letzteren Schule ernannt.

 

Hierzu trat im Jahre 1876 ein Hilfslehrerauftrag an der Kgl. Tierarzneischule zu Stuttgart für Physiologie, Histologie und mikroskopisches Praktikum.

 

Als in Folge der gesteigerten Ansprüche an die Ausbildung der Tierärzte die Hauptlehrstellen an der Tierarzneischule vermehrt werden mussten, und da Jäger bereits mit Privatarbeiten für sein Wollregime beschäftigt war, schied er im Jahre 1881 aus dem Verband der Tierarzneischule aus, und hatte nur noch die Schulung und Prüfung der Tierarzneischüler in der Zoologie, zugleich mit den Hörern des Polytechnikums. Seine Hauptlehrstelle an letzter Schule und der Hohenheimer Akademie legte er im Frühjahr 1884 nieder, und zog sich auf seine Tätigkeit als approbierter Arzt zurück.

 

Aus dem Vorstehenden ist zu ersehen, dass Jaeger sich die vielseitigsten Kenntnisse und Erfahrungen nicht bloß als Lehrer und Gelehrter, sondern auch als Praktiker, insbesondere auf dem Gebiet der Tierhaltung, Tierzucht (sein Name ist auch unter den Fischzüchtern bekannt), und da er auch Insektensammler, Jäger und Angler war, auf dem Gebiet des freien Naturlebens erwerben musste. Zeugnis hierfür ist die umfangreiche publizistische Tätigkeit Jaeger’s auf diesen Gebieten, über die kurz Folgendes zu berichten ist.

 

Schon als  Student schrieb er eine anatomische Abhandlung in Müller’s Archiv, welcher später mehrere in den Sitzungsberichten der Wiener Akademie der Wissenschaften veröffentlichte Abhandlungen folgten, und auch seine publizistische Tätigkeit auf dem populären naturwissenschaftlichen Gebiet begann er schon als Student mit Abfassung von Tierschilderungen in der illustrierten Zeitschrift „Das Buch der Welt“.

 

Die erste naturwissenschaftliche Arbeit Jaegers, die seinen Namen in Verbindung mit den Namen von Cuvier und Bronn in der wissenschaftlichen Welt bekannt machte, war seine Abhandlung über Symmetrie und Regularität (Sitzungsbericht der Wiener Akademie).

 

Als im Jahr 1859 Darwins Werk die wissenschaftliche Welt alarmierte, war Jaeger einer der ersten, der sich an die Seite des von aller Welt angefochtenen Gelehrten stellte, zunächst durch öffentliche Vorträge über die Lehren Darwins, sodann durch eine Reihe von kleineren wissenschaftlichen Abhandlungen, die anerkannt wertvolle Ergänzungen der Darwin’schen Lehre bilden, und unter welchen besonders 2 Abhandlungen „Über das Längenwachstum der Knochen“ und „Über die Wachstumsbedingungen“ zu nennen sind. Später folgten in gleicher Richtung 3 größere selbständige Schriften:

 

  1. Zoologische Briefe, Wien, Braunmüller
  2. In Sachen Darwins contra Wigand, Schweizerbarth, Stuttgart
  3. Die Darwin’sche Theorie und ihre Beziehung zu Moral und Religion, Thienemann Verlag, Stuttgart 1868.

 

Zu seiner Tätigkeit im Verfolg der Darwin’schen Lehre gehört auch, dass Jaeger zu den Mitbegründern und einige Jahre danach auch zu den Mitredakteuren der der Darwin’schen Lehre gewidmeten Zeitschrift „Kosmos“ gehörte.

 

Auf dem Gebiet der populär-naturwissenschaftlichen Schriftstellerei liefert Jaeger einmal zahlreiche, meist neue Gesichtspunkte enthaltende Abhandlungen, teils in Tagesblätter, teils in Wochen- und Monats-Fachschriften, insbesondere in das Journal „Ausland“ und in das schon erwähnte Journal „Kosmos“, von denen ein Teil gesammelt und durch Neues vermehrt, als illustriertes Werk unter dem Titel „Skizzen aus dem Tiergarten“, Hamburg 1866 erschien. Ein Pendant hierzu bildet sein illustriertes Werk „Das Leben im Wasser“, Hamburg 1866 und das Aquarium. Seine mikroskopischen Studien führten zum dem gleichfalls illustrierten Werk „Die Wunder der unsichtbaren Welt“, Berlin 1866. Das Studium der freilebenden Natur und die Sammlertätigkeit Jägers lieferte das originelle zugleich eine praktische Anleitung zum Sammeln bildende Werk „Deutschlands Tierwelt“, Stuttgart, Gebr. Kröner. Gleichfalls illustriert. Hier ist noch anzureihen ein illustriertes Pendant zu den Skizzen aus dem Tiergarten unter dem Titel „Wanderungen durch das Tierreich“, Stuttgart, Gebr. Kröner, und dass Jaeger eine neue Auflage der beliebten Rebau’schen Naturgeschichte und des Käferbuchs von Calwer (Thienemanns Verlag) besorgte.

 

Nicht unerwähnt bleibe, dass er außer dieser wissenschaftlichen und schriftstellerischen Tätigkeit in den Grenzen seines eigenen Fachs auch auf anderen Gebieten schöpferisch tätig war. So sind seine Aufsätze „über den Ursprung der menschlichen Sprache“, seine Essays auf dem Gebiet der Tiergeographie, die ihn zur geologischen Lehre von der Polarflüchtigkeit des Landes, und zu der Erfindung einer neuen kartographischen Projektionsmethode, der sogenannten „Nordpolarsternprojektion“ führte (Alles im Journal „Ausland“ erschienen), Arbeiten, die in der Geschichte dieser Wissenschaften sicher einen Platz sich erobern.

 

Die Tätigkeit Jaegers auf dem hygienischen Gebiet begann wieder einerseits mit kleineren wissenschaftlichen Abhandlungen in Fachzeitschriften, andererseits mit populären Veröffentlichungen in Tages- und Wochenblättern. Das erste, Aufsehen erregende Buch Jaegers in dieser Richtung war das Werk „Die menschliche Arbeitskraft“, München, Oldenburg 1878, über welches ein Fachblatt, die Wiener medizinische Presse Jahrg. 1878 Nr. 35, folgendes schreibt:

 

„Was aber dem Werke einen ganz besonderen Wert verleiht, das sind die hygienischen Grundsätze, welche der Verfasser ebenso scharfsinnig als ungezwungen aus den neuesten Forschungsergebnissen ableitet. Hier haben wir es mit einer populären Darstellung zu tun, die eben nicht abgeschrieben ist, und in welcher ein origineller Denker und Beobachter mehr Beachtenswertes niederlegt, als man sonst in 10 Jahrgängen von gelehrten Akademieschriften zu finden hoffen darf ....“

 

Fast gleichzeitig erschien seine Schrift „Seuchenfestigkeit und Konstitutionskraft“, Leipzig, E. Günthers Verlag 1878.

 

1880 folgte das erste den praktischen hygienischen Zielen Jaegers dienende Schriftchen „Die Normalkleidung als Gesundheitsschutz“ (Verlag von W. Kohlhammer in Stuttgart), eine Sammlung seiner kleinen Aufsätze im „Neuen deutschen Familienblatt“, das bis heute drei jedes Mal stark vermehrte Auflagen und eine englische und eine schwedische Übersetzung erlebt hat. Im gleichen Jahre erschien sodann das Hauptwerk Jaegers unter dem Titel „Die Entdeckung der Seele“ zuerst als eine kleine rasch vergriffene Broschüre und dann als zweite Auflage zu einem Buch erweitert, Leipzig, Ernst Günthers Verlag 1880. Gegenwärtig erscheint dasselbe neuerdings bedeutend (auf zwei Bände) vermehrt, lieferungsweise in 2 Bänden in dritter Auflage.

 

Der Lehrtätigkeit Jägers entsprang sein „Lehrbuch der allgemeinen Zoologie“, Ernst Günthers Verlag I. Bd. 1871, II. Bd. 1878.

 

Endlich ist zu erwähnen, dass G. Jaeger Mitarbeiter und im Anfang Redakteur des Handwörterbuchs der Zoologie, Anthropologie und Ethnologie ist, das einen Bestandteil der Encyclopädie der Naturwissenschaften, Eduard Trewendt, Breslau 1880, ist.

 

Seit November 1881 gibt Jaeger ein der Fortbildung seiner Lehre und Praxis gewidmetes eigenes Monatsblatt unter dem Titel „Professor Dr. G. Jaegers Monatsblatt“ heraus.

 

Als Anerkennung seiner Verdienste als Gelehrter besitzt Jaeger Diplome als Ehrenmitglied, wirkliches oder korrespondierendes Mitglied von 10 naturwissenschaftlichen Gesellschaften oder Vereinen des In – und Auslands.

 

Curriculum vitae

[Personalakt Gustav Jäger

PH PA 2073

der Philosophischen Fakultät

der Universität Wien]

 

 

[Bl. 1]

 

Curriculum vitae

des

Dr. Gust. Jaeger

 

 

Gustav Eberhardt Jaeger, Sohn des verstorbenen evangelischen Pfarrers Mag. Carl Friedrich Jaeger, ist laut beiliegendem Taufschein (Beilage Nro II)geboren zu Bürg o/a Neccarsulm im Königreich Würtemberg.

 

Er bekennt sich zur protestantischen Religion.

 

Zum Predigerstande bestimmt wurde er in das niedere evangelische Predigerseminar zu Urach aufgenommen. Dort gewann seine Vorliebe für das Studium der Naturwissenschaften, die schon in seinem 10ten Lebensjahre sich durch Anlegung einer bis vor 4 Jahren fortgesetzten Käfersammlung äußerte, zuerst bestimmte Form und Richtung. Da aber unter den an der dortigen Lehranstalt vorgetragenen Lehrgegenständen die Zoologie wie auch die Botanik fehlten, so blieb er in diesen Fächern auf das Privatstudium angewiesen. Von den obligaten Gegenständen war es vorzugsweise Mathematik, Geometrie und Physik, denen er ein intensives Studium zuwandte. So kam es, daß er in seinem 18ten Lebensjahre in Folge eines längeren Unbesetzbleibens der betreffenden Professur vom Kgl. Studienrathe den Auftrag erhielt, seinen Mitschülern über Mathematik und Geometrie vorzutragen, was er auch durch ein halbes Jahr that.

 

Im Herbst 1850 ging er nach Ablegung der Maturitätsprüfung nach Stuttgart, um sich dort naturwissenschaftlichen Studien zu widmen. Ere arbeitete durch ¾ Jahre am dortigen zoologischen Museum unter der Leitung des Vorstandes, Obermedizinalrath Dr. Georg von Jaeger, und des Custos, Prof. Dr. Kraus. Zugleich legte er den Grund zu einer Privatsammlung für vergleichende Osteologie. Die Materialien dazu verschaffte er sich dadurch, dass er selbst auf die Jagd und den Fang der Thiere aus ging und so hatte er auch Gelegenheit, die Sitten und Lebensweise derselben kennen zu lernen.

 

Von der Theologie hatte sich damals schon längst losgesagt, da es ihm jetzt seine Vermögensverhältnisse nicht erlaubten, sich einseitig für die so wenig pekuniäre Sicherheit bietende wissenschaftliche Laufbahn im Gebiete der Thierlehre auszubilden, so wählte er als bestimmtes Fach die Medizin und Chirurgie und bezog im Herbste 1851 die Landesuniversität Tübingen. Trotzdem war er nie gesonnen, seine bisherige Studienrichtung aufzugeben und die Anerkennung, die ihm von Seite seiner Lehrer zu Theil ward, bestärkte ihn immer mehr in seinem Vorsaze. Er befleißigte sich deshalb der Medizin und Chirurgie blos so weit, als zur Ablegung der Prüfung nothwendig war und verwendete alle übrige Zeit auf das Studium der Zoologie und vergleichenden Anatomie. Er dehnte zu diesem Zwekk seine Privatsammlung weiter aus, indem er nicht blos Skelette aller Wirbelthierklassen sammelte und seiner Käfersammlung eine Sammlung der wichtigsten übrigen Insektenformen befügte, sondern auch eine Sammlung von Weingeistpräparaten anlegte, in der alle der Aufbewahrung zugänglichen Thier[Bl. 1, rev.]klassen vertreten waren. Auch suchte er sich mit der Handhabung des Mikroscops zu anatomischen Zwecken vertraut zu machen.

 

Außerdem lieferte er seit dem ersten Jahr seines Aufenthaltes auf der Universität bis heute noch populäre zoologische Aufsäze für eine bei Carl Hoffmann in Stuttgart erscheinende auch in Östreich sehr verbreitete Unterhaltungsschrift „Das Buch der Welt“, von der jeder Jahrgang seit 1851 mehrere seiner Aufsäze enthält.

 

Bei seinen zoologischen und anatomischen Studien war er zwar vorzugsweise Autodidakt, hatte sich aber der thätigsten Unterstüzung seiner Lehrer Hrn. Prof. W. v. Rapp und Hrn. Prof. H. Luschka zu erfreuen.

 

Der Erstere, Prof. der vergleichenden Anatomie und Zoologie, stellte ihm nicht blos seine sehr reichhaltige Privatbibliothek und mehrere Mikroscope zur Verfügung, sondern überließ ihm auch bereitwilligst Objekte aus der anatomischen Sammlung zur Untersuchung.

 

Der Letztere, Prof. der menschlichen Anatomie und Vorstand des anatomischen Theaters zog ihn zu seinen wissenschaftlichen Untersuchungen herbei, sobald es sich um Bestätigung von Ergebnissen der menschlichen Anatomie von Seite der thierischen Anatomie handelte.

 

Diese auf Hrn. Prof. Luschka’s Aufforderung hin unternommenen Arbeiten geben den Anlaß zu der ersten selbständigen wissenschaftlichen Publikation über den Musculus lumbocostalis in Mutter’s Archiv 1854 siehe Beilage Nro IV. Andere Arbeiten werden in Hrn. Prof. Luschka’s Publikationen erwähnt.

 

Im Frühjahr 1856 legte er die erste Staatsprüfung in der Medizin und Chirurgie ab. Da in dem Königreiche Würtemberg die Verordnung besteht, daß ein Zeugnis erster Classe bei der ersten Staatsprüfung den Doktortitel in sich schließt, so war er durch die Prüfung berechtigt, den Titel eines Doktors der Chirurgie zu führen. Auf sein Ansuchen wurde ihm dann auch für die Medizin der Doktortitel ohne vorhergehendes Doktorenexamen zugestanden und die Zustellung des Diplomes für beide Fächer blos von der Einsendung einer wissenschaftlichen Abhandlung abhängig gemacht. Dieß geschah als er bereits in Wien war und er legt sein Doktorsdiplom vor als Beilage Nro V.

 

Juni 1856 kam er nach Wien und ließ sich zunächst unter die Zahl der außerordentlichen Hörer der Medizinischen Fakultät aufnehmen, da er noch im Sinne hatte, auch zweite zur Praxis berechtigende Staatsprüfung in seinem Vaterlande zu machen. Allein nach sehr kurzer Zeit entschloß er sich sein medizinisch-chirurgisches Studium einzustellen und nun ausschließlich der vergleichenden Anatomie sich zu widmen. Er sezte diese Studien privatim fort und theilte einige Resultate derselben bei der Versammlung der Naturforscher und Ärzte 1856 als Mitglied der  zoologischen Sektion mit.

 

Ende des Jahre 1856 bewarb er sich um Zulassung zu der Expedition der Fregatte Novarra [!]. Für den Fall einer Betheiligung war ihm von Seite der Kgl. Würtembergischen Regierung und der Academia Leopoldino-Carolina Unterstüzung mit Geldmitteln zugesagt.

 

[Bl. 2] Abschlägig beschieden und nicht mehr im Stande, aus eigenen Mitteln seine Studien fortzusezen, nahm er im Jan. 1857 eine Erzieherstelle bei Hrn. Seybel, Inhaber einer chemischen Fabrik an, nachdem er zuvor der Kaiserl. Akademie der Wissenschaften eine Abhandlung über das Os humeroscapulare der Vögel Beilage Nro VI vorgelegt hatte.

 

Durch 8 Monate waren nun dadurch, daß er den Unterricht von 3 Knaben zu besorgen hatte, seine Studien etwas reduzirt, daß sie jedoch nicht unterbrochen waren, beweist eine Abhandlung über Symmetrie und Regularitaet Beilage Nro VII welche er im Frühjahr 1857 der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften vorlegte.

 

Im Oktober 1857 wurde er jedoch fast vollständig seinen Studien zurückgegeben, indem er des Unterrichtes seiner Zöglinge enthoben wurde, und so ist er seit dieser Zeit theils mit Studien der Fachlitteratur theils mit Erweiterung seiner anatomischen Sammlung theils mit eigenen Untersuchungen beschäftigt und legte am 11 Nov. dieses Jahres eine neue Abhandlung über das Wirbelkörpergelenk der Vögel der Kaiserl. Akademie der Wissenschaften vor. Da dieselbe jedoch noch nicht im Drukk erschienen ist, so muß er von einer Vorlegung derselben Umgang nehmen.

 

 

 

 

 

Wortwahl, Grammatik, Rechtschreibung und Zeichensetzung entsprechen dem Original, lediglich die durch Oberstrich bezeichnete Verdopplung des Buchstabens „m“ wurde in „mm“ aufgelöst. Hervorhebungen im Original durch Unterstreichung werden in Kursive wiedergegeben. In eckigen Klammern steht die Blattnummer des Lebenslaufs.

 

Gustav Jaeger. Von Prof. Dr. Anton Szanya, Wien:

Ein Schwabe in Wien_Teil 1_Prof. Dr. Anton Szanya
Szanya_Ein Schwabe in Wien-1.pdf
PDF-Dokument [234.1 KB]
Ein Schwabe in Wien_Teil 2_Prof. Dr. Anton Szanya
Szanya_Ein Schwabe in Wien-2.pdf
PDF-Dokument [211.7 KB]

Gustav Jaeger. Von Prof. Dr. Wolfgang Achtner, Gießen:

Artikel von Prof. Dr. Wolfgang Achtner_Spektrum der Wissenschaft
Jaeger_Darwin_Achtner_neu.pdf
PDF-Dokument [1.4 MB]

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75428 Illingen

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