NON SCHOLA, SED NATURA ARTIS MAGISTRA

Nicht die Schule, sondern die Natur ist unser Lehrmeister.

Prof. Dr. med. Gustav Jaeger


Gustav Jaeger war kein normaler Arzt, so wie man sich einen solchen vorstellt, Vielmehr war er permanent dabei, die Natur zu erforschen. Er wollte keine kranken Menschen heilen müssen, er wollte, dass die Menschen nicht krank werden und suchte die Gründe, was Menschen krank macht. Ich sehe hier großen Handlungsbedarf, denn es wird auch in heutiger Zeit auf viele Dinge bei den allermeisten nicht geachtet, was zu tun ist, bevor man krank wird. Das war Jaegers Stärke, den Menschen in seine Eingebundenheit in die  Natur zu sehen, ja, als Teil der Natur. Die richtige Bekleidung sah er als großen Faktor, auch das Wohnen, oder das Schlafen und die Materialien des Bettes. Er gibt deshalb in allen seinen Büchern sehr tiefe Einblicke in eine Denkweise, die dem Kulturmenschen abhanden gekommen ist.  - Es ist mir persönlich deshalb ein großes Anliegen, Gustav Jaeger in die heutige Zeit zu bringen, in der die Medizin neu geordnet werden muss. Ein längst überfälliger Schritt, in Richtung Natur.  Ich wünsche mir, dass ich so meinen Teil dazu beitragen kann, die Menschheit in Richtung seiner wahren NATUR zu lenken.

Prof. Dr. med. Gustav Jaeger

Lebenslauf


Im Anschluss findest Du den Lebenslauf, der von Jaeger selbst geschrieben wurde.

Entnommen habe ich diesen den 1887 herausgegebenen Flugschriften. Die Biografie, welche Gustav Jaeger seiner zweiten Frau Helene kurz vor seinem Tod diktiert hatte, und welche ich bebildert habe, findest Du in meinem Buch "Das Vermächtnis des 7. Parfums - Die Liebe".


Ganz unten findest Du noch einige Buttons, mit folgenden Artikeln:


  • Bibliografie von Gustav Jaeger. Mehr als 200 wissenschaftliche Arbeiten, namentlich gelistet. Mein Dank gilt Prof. Dr. Heinrich Weinreich!
  • "Ein Schwabe in Wien", Teil 1 und Teil 2. - Mein Dank gilt Prof. Anton Szanja!
  • Einen Artikel, welcher in Spektrum der Wissenschaft erschien. Mein Dank gilt Prof. Wolfgang Achtner!
  • Ein Artikel von Gustav Jaeger _ Ausführliche Erklärung der Anthropine. Von Gustav Jaeger.


 

 

 

Extrabeilage zu Prof. Dr. G. Jaegers Monatsblatt Nr. 8, 1884

 

 

Mein Lebenslauf

 

Auf vielseitige Anforderungen von Seiten Wollener und von Zeitungsredaktionen gebe ich im Folgenden eine kurze Darstellung meines Lebensgangs und meiner bisherigen Tätigkeit. Ich habe diese nicht nur dem Monatsblatt beigefügt, sondern auch eine größere Anzahl weiterer Abdrücke fertigen lassen, die ich den Lesern gratis zur Verfügung stelle, um den böswilligen Äußerungen der Gegner über meine Person entgegentreten zu können. Um denen, welche ganzen oder teilweisen Wiederabdruck vornehmen wollen, dies zu erleichtern, spreche ich von mir in der dritten Person.

 

Dr. Gustav Jaeger ist geboren zu Bürg im Württembergischen am 23. Juni 1832 als Sohn eines evangelischen Geistlichen, der sich auch als Geschichtsschreiber einen Namen machte, und in dessen Familie Ärzte, Gelehrte und Geistliche abwechseln. Er durchlief die Lateinschule und das niedere evangelische Seminar, da er zum geistlichen Beruf bestimmt war. Nach Beendigung der Seminarlaufbahn änderte er seine Berufswahl, studierte zunächst 1 Jahr als Hospitant des Polytechnikums zu Stuttgart neuere Sprachen und höhere Mathematik, und arbeitete als Volontär am Stuttgarter zoologischen Museum.

 

Im Jahr 1851 bezog er die Universität Tübingen und absolvierte dort das Studium der Medizin und Chirurgie, erwarb sich dort auch das Doktordiplom in seinem Fach. Da sein Ziel akademische Lehrtätigkeit war und zwar im Fach der Zoologie und vergleichenden Anatomie, so ging er 1856 nach Wien, veröffentlichte zunächst mehrere Spezialarbeiten in den Berichten der Wiener Akademie, habilitierte sich dann als Privatdozent, und war gleichzeitig Hofmeister im Hause eines Fabrikanten chemischer Produkte.

 

Da er seine Konfession nicht ändern wollte, so war er verhindert den ihm von der philosophischen Fakultät angetragenen Lehrstuhl für Zoologie und vergleichende Anatomie an der Wiener Universität anzunehmen, und so wandte er sich der naturwissenschaftlichen Praxis zu, indem er zuerst in Verbindung mit einem Kapitalisten ein Seewasseraquarium, später als technischer Direktor einer Aktiengesellschaft einen Tiergarten anlegte. Als dieses Unternehmen, zum großen Teil in Folge der politischen Wirren von 1864-66, fallirte, kehrte er im Frühjahr 1866 in seine Heimat nach Stuttgart zurück, wo er ein Jahr lang mit der Abfassung populär-naturwissenschaftlicher Werke und naturwissenschaftlicher Feuilletons, sowie wissenschaftlichen Arbeiten sich befasste. Im Jahr 1867 erhielt er zuerst einen Lehrauftrag als Hilfslehrer, zuerst für Zoologie an der land- und forstwirtschaftlichen Akademie zu Hohenheim, dem später ein gleichlautender am Kgl. Polytechnikum zu Stuttgart folgte. Diese Lehraufträge wurden später in Hohenheim auf die Abhaltung des mikroskopischen Praktikums, Vortrag über Seidenbau und die Leitung des technischen Betriebes der Seidenzucht, und im Polytechnikum durch einen Lehrauftrag für Anthropologie inclusive Gesundheitspflege erweitert, und er zum Hauptlehrer an der letzteren Schule ernannt.

 

Hierzu trat im Jahre 1876 ein Hilfslehrerauftrag an der Kgl. Tierarzneischule zu Stuttgart für Physiologie, Histologie und mikroskopisches Praktikum.

 

Als in Folge der gesteigerten Ansprüche an die Ausbildung der Tierärzte die Hauptlehrstellen an der Tierarzneischule vermehrt werden mussten, und da Jäger bereits mit Privatarbeiten für sein Wollregime beschäftigt war, schied er im Jahre 1881 aus dem Verband der Tierarzneischule aus, und hatte nur noch die Schulung und Prüfung der Tierarzneischüler in der Zoologie, zugleich mit den Hörern des Polytechnikums. Seine Hauptlehrstelle an letzter Schule und der Hohenheimer Akademie legte er im Frühjahr 1884 nieder, und zog sich auf seine Tätigkeit als approbierter Arzt zurück.

 

Aus dem Vorstehenden ist zu ersehen, dass Jaeger sich die vielseitigsten Kenntnisse und Erfahrungen nicht bloß als Lehrer und Gelehrter, sondern auch als Praktiker, insbesondere auf dem Gebiet der Tierhaltung, Tierzucht (sein Name ist auch unter den Fischzüchtern bekannt), und da er auch Insektensammler, Jäger und Angler war, auf dem Gebiet des freien Naturlebens erwerben musste. Zeugnis hierfür ist die umfangreiche publizistische Tätigkeit Jaeger’s auf diesen Gebieten, über die kurz Folgendes zu berichten ist.

 

Schon als Student schrieb er eine anatomische Abhandlung in Müller’s Archiv, welcher später mehrere in den Sitzungsberichten der Wiener Akademie der Wissenschaften veröffentlichte Abhandlungen folgten, und auch seine publizistische Tätigkeit auf dem populären naturwissenschaftlichen Gebiet begann er schon als Student mit Abfassung von Tierschilderungen in der illustrierten Zeitschrift „Das Buch der Welt“.

 

Die erste naturwissenschaftliche Arbeit Jaegers, die seinen Namen in Verbindung mit den Namen von Cuvier und Bronn in der wissenschaftlichen Welt bekannt machte, war seine Abhandlung über Symmetrie und Regularität (Sitzungsbericht der Wiener Akademie).

 

Als im Jahr 1859 Darwins Werk die wissenschaftliche Welt alarmierte, war Jaeger einer der ersten, der sich an die Seite des von aller Welt angefochtenen Gelehrten stellte, zunächst durch öffentliche Vorträge über die Lehren Darwins, sodann durch eine Reihe von kleineren wissenschaftlichen Abhandlungen, die anerkannt wertvolle Ergänzungen der Darwin’schen Lehre bilden, und unter welchen besonders 2 Abhandlungen „Über das Längenwachstum der Knochen“ und „Über die Wachstumsbedingungen“ zu nennen sind. Später folgten in gleicher Richtung 3 größere selbständige Schriften:

 

  1. Zoologische Briefe, Wien, Braunmüller
  2. In Sachen Darwins contra Wigand, Schweizerbarth, Stuttgart
  3. Die Darwin’sche Theorie und ihre Beziehung zu Moral und Religion, Thienemann Verlag, Stuttgart 1868.

 

Zu seiner Tätigkeit im Verfolg der Darwin’schen Lehre gehört auch, dass Jaeger zu den Mitbegründern und einige Jahre danach auch zu den Mitredakteuren der der Darwin’schen Lehre gewidmeten Zeitschrift „Kosmos“ gehörte.

 

Auf dem Gebiet der populär-naturwissenschaftlichen Schriftstellerei liefert Jaeger einmal zahlreiche, meist neue Gesichtspunkte enthaltende Abhandlungen, teils in Tagesblätter, teils in Wochen- und Monats-Fachschriften, insbesondere in das Journal „Ausland“ und in das schon erwähnte Journal „Kosmos“, von denen ein Teil gesammelt und durch Neues vermehrt, als illustriertes Werk unter dem Titel „Skizzen aus dem Tiergarten“, Hamburg 1866 erschien. Ein Pendant hierzu bildet sein illustriertes Werk „Das Leben im Wasser“, Hamburg 1866 und das Aquarium. Seine mikroskopischen Studien führten zum dem gleichfalls illustrierten Werk „Die Wunder der unsichtbaren Welt“, Berlin 1866. Das Studium der freilebenden Natur und die Sammlertätigkeit Jägers lieferte das originelle zugleich eine praktische Anleitung zum Sammeln bildende Werk „Deutschlands Tierwelt“, Stuttgart, Gebr. Kröner. Gleichfalls illustriert. Hier ist noch anzureihen ein illustriertes Pendant zu den Skizzen aus dem Tiergarten unter dem Titel „Wanderungen durch das Tierreich“, Stuttgart, Gebr. Kröner, und dass Jaeger eine neue Auflage der beliebten Rebau’schen Naturgeschichte und des Käferbuchs von Calwer (Thienemanns Verlag) besorgte.

 

Nicht unerwähnt bleibe, dass er außer dieser wissenschaftlichen und schriftstellerischen Tätigkeit in den Grenzen seines eigenen Fachs auch auf anderen Gebieten schöpferisch tätig war. So sind seine Aufsätze „über den Ursprung der menschlichen Sprache“, seine Essays auf dem Gebiet der Tiergeographie, die ihn zur geologischen Lehre von der Polarflüchtigkeit des Landes, und zu der Erfindung einer neuen kartographischen Projektionsmethode, der sogenannten „Nordpolarsternprojektion“ führte (Alles im Journal „Ausland“ erschienen), Arbeiten, die in der Geschichte dieser Wissenschaften sicher einen Platz sich erobern.

 

Die Tätigkeit Jaegers auf dem hygienischen Gebiet begann wieder einerseits mit kleineren wissenschaftlichen Abhandlungen in Fachzeitschriften, andererseits mit populären Veröffentlichungen in Tages- und Wochenblättern. Das erste, Aufsehen erregende Buch Jaegers in dieser Richtung war das Werk „Die menschliche Arbeitskraft“, München, Oldenburg 1878, über welches ein Fachblatt, die Wiener medizinische Presse Jahrg. 1878 Nr. 35, folgendes schreibt:

 

„Was aber dem Werke einen ganz besonderen Wert verleiht, das sind die hygienischen Grundsätze, welche der Verfasser ebenso scharfsinnig als ungezwungen aus den neuesten Forschungsergebnissen ableitet. Hier haben wir es mit einer populären Darstellung zu tun, die eben nicht abgeschrieben ist, und in welcher ein origineller Denker und Beobachter mehr Beachtenswertes niederlegt, als man sonst in 10 Jahrgängen von gelehrten Akademieschriften zu finden hoffen darf ....“

 

Fast gleichzeitig erschien seine Schrift „Seuchenfestigkeit und Konstitutionskraft“, Leipzig, E. Günthers Verlag 1878.

 

1880 folgte das erste den praktischen hygienischen Zielen Jaegers dienende Schriftchen „Die Normalkleidung als Gesundheitsschutz“ (Verlag von W. Kohlhammer in Stuttgart), eine Sammlung seiner kleinen Aufsätze im „Neuen deutschen Familienblatt“, das bis heute drei jedes Mal stark vermehrte Auflagen und eine englische und eine schwedische Übersetzung erlebt hat. Im gleichen Jahre erschien sodann das Hauptwerk Jaegers unter dem Titel „Die Entdeckung der Seele“ zuerst als eine kleine rasch vergriffene Broschüre und dann als zweite Auflage zu einem Buch erweitert, Leipzig, Ernst Günthers Verlag 1880. Gegenwärtig erscheint dasselbe neuerdings bedeutend (auf zwei Bände) vermehrt, lieferungsweise in 2 Bänden in dritter Auflage.

 

Der Lehrtätigkeit Jägers entsprang sein „Lehrbuch der allgemeinen Zoologie“, Ernst Günthers Verlag I. Bd. 1871, II. Bd. 1878.

 

Endlich ist zu erwähnen, dass G. Jaeger Mitarbeiter und im Anfang Redakteur des Handwörterbuchs der Zoologie, Anthropologie und Ethnologie ist, das einen Bestandteil der Encyclopädie der Naturwissenschaften, Eduard Trewendt, Breslau 1880, ist.

 

Seit November 1881 gibt Jaeger ein der Fortbildung seiner Lehre und Praxis gewidmetes eigenes Monatsblatt unter dem Titel „Professor Dr. G. Jaegers Monatsblatt“ heraus.

 

Als Anerkennung seiner Verdienste als Gelehrter besitzt Jaeger Diplome als Ehrenmitglied, wirkliches oder korrespondierendes Mitglied von 10 naturwissenschaftlichen Gesellschaften oder Vereinen des In – und Auslands.

 


Bibliographie von Pror. Dr. med. Gustav Jaeger
Ein Schwabe in Wien_Von Prof. Dr. Anton Szanja_Teil 1_PDF
Ein Schwabe in Wien_Von Prof. Dr. Anton Szanja_Teil 2_PDF
Jaeger_Spektrum der Wissenschaft_Prof. Wolfgang Achtner
Anthropine_Eklärung von Gustav Jaeger
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