Über mich
Selma Dorothee Gienger
geb. am 18.4.1960 in Pforzheim
Aufgewachsen bin ich in großer Freiheit in einem kleinen Dorf in der Nähe von Stuttgart. Unsere Freizeit überlebten wir ohne Handy mit Rollschuhlaufen, Twistgummi, Ballspielen, Seilspringen, Reiten, Federball, Schwimmen, Lesen, Treffen mit Freunden, unserem Collie, Nähen, Basteln und Radfahren. Eigentlich wollte ich Ärztin werden, das hatte ich beschlossen, als ich mit 14 den Blinddarm rausbekommen hatte. Das Studium wollte ich mit Nachtwachen verdienen als Krankenschwester, weshalb ich mich mit 16, ohne das Wissen meiner Eltern, mich in der Krankenpflegeschule erfolgreich beworben hatte. Mit knapp 18 startete ich meine "Karriere" in der Klinik in Mühlacker. Den Plan Ärztin zu werden verwarf ich aus verschiedenen Gründen und arbeitete einige Jahre auf der Anästhesie und Intensivstation.
Mein Umweg zur Homöopathie
Als Krankenschwester wusste ich nicht mehr über Homöopathie als jemand der überhaupt keine Ahnung hatte. Nämlich nichts. Kleine weiße Kügelchen an die man glauben müsse, das war der Stand unserer Ausbildung. Mehr wurde uns nicht beigebracht.
Doch eine ziemlich heftige Geschichte belehrte mich eines Besseren.
Am Ende der Narbe des Dammschnittes erschien eine kleine rosane Stelle, die mich fast an der glatten Wand hochjagte, so hatte diese gejuckt. Uncoole Stelle. Der Hautarzt verordnete mir Cortisonsalbe für vier Wochen. Das ging damit weg, erschien aber nach vier Wochen wieder und fing dann an zu wachsen. Man kann mich nicht so leicht von irgendetwas überzeugen, das ich nicht selbst ausprobiert habe. So dauerte denn auch die Ausschlaggeschichte ganze sieben Jahre, welche sich zu drei ca. 10 cm großen Platten ausgebreitet hatte. Die Haut sah aus wie verbrannt, die Hautärzte reichten mich durch zum nächsten Arzt und der letzte Stand war der, dass mir der Hautarzt sagte, dass es eine namenlose Flechte sei, welche sich langsam über meinen gesamten Körper ausbreiten würde. Meine Begeisterung hielt sich in Grenzen. - Durch Zufall traf ich damals auf eine ehemalige Kollegin der Intensivstation, welche mir von ihrem Sohn erzählte, der mit Warzen übersät gewesen war und ein Homöopath mit drei Kügelchen alles hätte heilen können. Keine einzige Warze sei mehr da, ohne dass man eine rausgeschnitten oder mit etwas bepinselt hätte.
Ich bat sie um die Adresse und hatte umgehend einen Termin bei dem Homöopathen gemacht. Da ich keine Ahnung hatte, wunderte ich mich über die langatmige Fragerei, was sich Anamnese nennt. Eine Woche später solle ich wieder vorbeikommen, um ein Mittel abzuholen, er müsse es erst bearbeiten. - Ich klingelte an der Praxistüre, der Homöopath erschien mit einem Fläschchen in der Hand. Ich wollte dieses entgegen nehmen, streckte deshalb meine Hand aus und fragte, wieviele Tropfen ich denn täglch nehmen müsse. Er lachte und meinte, ich solle jetzt die Zunge rausstrecken, er würde mir drei Tropfen davon auf die Zunge geben und ich solle dann in fünf Monaten bitte wiederkommen.
Ich glaube ich habe ihn ziemlich entgeistert angesehen, denn als Krankenschwester kennt man nur "3 x 20 Tropfen täglich". - Man kann sich kaum vorstellen, wie ich nach Hause gefahren bin und keinen guten Faden an dem armen Mann gelassen hatte. Mir war doch soeben glasklar vor Augen geführt worden, dass die Homöopathen echt eins an der Klatsche haben. Daran konnte nun kein Zweifel mehr bestehen. Drei Tropfen. In fünf Monaten wieder vorbeikommen. -
Also, weniger als ich, kann beim besten Willen niemand an die Homöopathie nicht glauben!
Mit Verwunderung musste ich jedoch feststellen, dass dies der erste Abend seit sieben Jahren gewesen war, an welchem das Jucken aufgehört hatte. Ich war perplex. Ich konnte das nicht verstehen und wartete täglich darauf, dass die Haut wieder jucken würde. Nach ca. 2 Wochen veränderte sich das Aussehen deutlich, die Haut wurde heller und sah sehr viel besser aus. Ich schlief durch, ohne mich im Schlaf zu kratzen. Nach sieben Monaten war der Alptraum komplett vorbei und ist auch nie mehr aufgetaucht.
Ebenfalls weg war mein Heuschnupfen, den ich von Dezember bist Mai immer hatte, der nach der Geburt meiner Tochter angefangen hatte. Das hatte ich dem Wunderheilerhomöopathen überhaupt nicht erzählt gehabt. -
Ich wollte nun unbedingt wissen, wie das mit diesen drei Tropfen funktioniert hatte. Also ging ich schnurstraks in die Bibliothek, um dort nach einem Homöopathie-Buch Ausschaus zu halten. Aus heutiger Sicht war es fast größenwahnsinnig, als allererstes Buch "Die wissenschaftliche Homöopathie" von Georgos Vithoulkas zu lesen.
Das erinnert mich gerade an Frau Spannagel. Sie gab mal einen Nähkurs, an dem ich so mit 25 teilgenommen habe. Es ist noch kein halbes Jahr her, dass ich sie quasi nach Jahrzehnten im Stoffladen getroffen habe und sie mir lachend erzählte, dass sie mich nie vergessen hätte, weil ich ihre erste Schülerin gewesen sei, die in einem Nähanfängerkurs ein Jacket nähen wollte. So ähnlich war das auch mit Georgos Vithoulkas' Buch. Ich biss mich da durch und wollte das alles verstehen. Dieses Buch hatte mich schlussendlich dermaßen überzeugen können, dass ich dadurch den Entschluss gefasst hatte Homöopathin zu werden. 1994 war es dann soweit. Ich eröffnete meine Praxis für Klassische Homöopathie. Meine Ausbildung hatte ich in München-Gauting an der Akademie für Klassische Homöopathie gemacht. Ich weiß, für meinen damaligen Mann, der Chirurg war, war das nicht ganz leicht und ich erinnere mich, dass er mal gesagt hat: "Kann es sein, dass sich Deine vielen Homöopathiebücher krakenartig im Haus ausbreiten? Sie liegen schon im Bett." - Logisch, ich hatte ja Sepia eingenommen, dieser Tintenfisch hat ja zehn Arme, also noch zwei mehr als eine Krake.
Fortsetzung folgt.